Jukebox

Julebox mit Cristian Niculescu

Musikalisches Kunstprojekt von Aldo Runfola

Live-Performance des Konzert-Pianisten Cristian Niculescu am Bechstein Flügel

“Jukebox” (abgeleitet von kreolisch “look” bzw. “juke”: humorvoll obszöne Musik, Tanz oder Sprache); in Amerika der vierziger, fünfziger und sechziger Jahre äußerst populäre Musikbox in aufwendigem Design, oftmals mit einsehbarer Greif- und Abspielautomatik. Enthält zwischen 8 u. 120 Platten. Mittels Münzeinwurf und Tastatur lässt sich gewünschter Song auswählen.

JUKEBOX ist eine Kooperation Aldo Runfolas mit Cristian Niculescu, der den italienischen, in Berlin lebenden Künstler bat, eine Installation für eine neuartige Idee der musikalischen Aufführung zu entwerfen. Normalerweise ist ein Musiker für sein Auditorium vollständig sichtbar. JUKEBOX bricht mit dieser Konvention: Die von Runfola entworfene filigran-ornamentale Struktur eines 3x3x3 Meter großen “Käfigs”, der im ehemaligen Atelier Georg Kolbes um einen Bechstein-Konzertflügel aufgebaut ist, behindert den Blick der Zuhörer auf den Pianisten. Obwohl die Zuhörer sich mit dem Künstler im gleichen Raum befinden, sind sie doch zur selben Zeit getrennt von ihm. Der Interpret wirkt entrückt und zugleich entfremdet, fast abstrakt. Seine Person tritt hinter die Musik zurück, die mit der Raumskulptur zu einem Klangkunstwerk verschmilzt. Durch die Installation wird die auditive und optische Aufmerksamkeit der Zuhörer in einer ganz anderen Weise stimuliert als in einem herkömmlichen Konzert.

Die Performance beginnt mit John Cages “Suite for Toy Piano”. Mit ihr führte der Begründer und Theoretiker des musikalischen Minimalismus 1948 das Kinderklavier zum ersten Mal in die Kompositionsgeschichte ein. Cages musikalische Entwicklung wurde von Eric Saties Neuer Simplizität entscheidend geprägt; seine eigenen theoretischen Konzeptionen bilden wiederum einen wichtigen Ausgangspunkt für Philipp Glass´ minimalistische Klangformen. Allen drei Komponisten geht es darum, durch bewusst einfache Strukturen eine Brücke zum Publikum zu schlagen und es am musikalischen Entstehungsprozess teilhaben zu lassen. Die in der Jukebox alternierend gespielten Stücke von Satie und Glass beginnen jeweils in der gleichen Tonart, mit der das vorangegangene Stück des anderen Komponisten endet, und lassen auf diese Weise einen Effekt der Simultaneität entstehen. Jukebox schließt damit bewusst an die Konzeption der Parallelmontage in Stephen Daldrys Film “The Hours – Von Ewigkeit zu Ewigkeit” an, zu der Glass den Soundtrack komponiert hat.

Es folgen die ersten fünf Stücke aus Györgi Ligetis “Musica ricercata”, die ihre suggestive Kraft aus dem Versuch entfaltet, “eine Neue Musik aus dem Nichts heraus zu bauen” (Ligeti). Das erste Stück besteht aus einem einzigen Ton, zu dem sich am Ende noch ein weiterer hinzufügt; die Anzahl der eingesetzten Töne erweitert sich fortschreitend um jeweils einen Ton von Stück zu Stück. Berühmt wurde vor allem das zweite Stück, nachdem Stanley Kubrick es in den Mittelpunkt des Soundtracks zu seinem letzten Film “Eyes Wide Shut” stellte. Nicolae Brandus´ Ostinato, von Cristian Niculescu uraufgeführt und ihm gewidmet, besteht ebenfalls aus minimalem Tonmaterial. Die Performance schließt mit drei Préludes von Claude Debussy, einem Zeitgenossen und Freund von Eric Satie. Seine impressionistischen, fremdartig sphärischen Klangbilder wurden für die minimalistische Musik wegweisend.
(Text: Jana Ziganke)

• 27. Januar 2014

Comments are closed.